Zürich, 1. November 2009



Sonntag, 1. November 2009

Autor

Matthias Jenny

Gut zwei Wochen nach dem Ende der diesjährigen Konferenz gestatte ich mir noch einen abschliessenden Rückblick. Hier unter „Stimmen der Teilnehmer“ kann man ab 3:38 Minuten einige spontane Gedanken von mir zur Konferenz hören. Was mir – abgesehen von den vielen tollen Begegnungen – am besten in Erinnerung bleibt, benenne ich auch schon in diesem Video: die multidisziplinäre Struktur der Konferenz. Während an den meisten Konferenzen, an denen ich bis jetzt teilgenommen habe, das Konferenzthema meist aus ähnlichen Blickwinkeln beleuchtet wurde, kamen an der Konferenz der Academia Engelberg Personen aus gänzlich verschiedenen Disziplinen und Berufsfeldern zu Wort.

Ich verwende dabei bewusst den Begriff „multidisziplinär“ anstatt „interdisziplinär“, welches bei mir eher negative Konnotationen weckt. Die nach wie vor hoch gehandelte Interdisziplinarität führt nach meinen Erfahrungen nämlich zu wenigen produktiven Resultaten. Wenn Experten von sehr unterschiedlichen Gebieten zusammenspannen wollen und gemeinsam ein Problem zu behandeln versuchen, stossen sie meist sehr früh auf eine Kommunikationsbarriere, die eine symbiotische Zusammenarbeit verhindert.
Der Interdisziplinarität wird manchmal die Transdisziplinarität entgegengesetzt. Transdisziplinär wird dort gearbeitet, wo verschiedene Wissenschaftler in allen Gebieten, die ihr Vorhaben tangieren, bewandert sind. Der Universitäre Forschungsschwerpunkt der Universität Zürich zum Thema „Foundations of Human Social Behavior“ verfolgt beispielsweise vorsichtig einen transdisziplinären Ansatz. Wenn hier Neurowissenschaftler an Ökonomen herantreten und umgekehrt, besuchen die jeweiligen Wissenschaftler während ihrer Anstellung wie normale Studierende Vorlesungen in den Disziplinen, bei denen sie theoretischen und methodologischen Nachholbedarf haben bei der Durchführung von neuroökonomischen Studien. Ohne hier die Ergebnisse des besagten Forschungsschwerpunktes kommentieren zu wollen, sind somit zumindest die institutionellen Bedingungen geschaffen für fächerübergreifende und Fachgrenzen verwischende Forschung.
Natürlich werden Wissenschaftler aber nicht als transdisziplinär bewandert geboren und die heutige fragmentierte Wissenschaftswelt erlaubt es nur selten, sich während des regulären Universitätsstudiums in mehr als einem Fach Expertenwissen zu erarbeiten. Hier kommt die Multidisziplinarität ins Spiel. An einer Konferenz wie der diesjährigen der Academia Engelberg wird ein Thema aus vollkommen unterschiedenen Perspektiven behandelt, die sich gewiss auch teilweise ausschliessen. Dabei wird nicht erwartet, dass jeder Teilnehmer den Referaten stets komplett folgen kann, und es besteht vor allem nicht der Anspruch, dass sich die vorgestellten Theorien und Befunde in ein kohärentes Ganzes fügen lassen. Vielmehr hat der Besuch der Konferenz den Effekt, dass man mit Herangehensweise an bestimmte Themen konfrontiert wird, die einem neu sind und von denen man unter Umständen etwas gewinnen kann. Im Idealfall lässt sich ein Wissenschaftler durch eine solche Konferenz – wenn nötig – zum Gang in die Transdisziplinarität bewegen.
Ich selber zumindest habe in Engelberg mehr Lust darauf bekommen, mich mit einigen der vorgestellten Ansätzen auseinanderzusetzen. Und sei dies nur, um meine Kritik an oberflächlichen interdisziplinären Ansätzen insofern fundierter zu machen, als dass ich einst besser verstehe, warum die Akteure in interdisziplinären Dialogen so oft aneinander vorbei sprechen und was dabei genau auf dem Spiel steht. Deshalb war der Besuch des 8th Dialogue on Science für mich ein sehr bereicherndes Erlebnis.
Spontan fällt mir als Kritikpunkt eigentlich auch nur etwas Nebensächliches ein: An den in der Regel hervorragenden Essen stand nicht immer ein vegetarisches Menü zur Verfügung. Dafür war aber wie gesagt der „food for thought“ umso bekömmlicher.

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