Fakten und Probleme



Mittwoch, 10. Oktober 2007 | 11:30 Uhr

Referent

Wolfgang Kinzelbach

Organisation

ETH Zürich

Reporting

Er stellt als Tatsachen und Themen Herausforderungen im nachhaltigen Wassermanagement vor. Oberflächenwasser erneuert sich jährlich zu einem Drittel. Von 10 Mio. km3 Grundwasser erneuern sich jährlich aber nur 3000 km3. Von 110’000 km3 Niederschlag verdampfen 50’000 km3. 18’000 km3 werden in der Landwirtschaft eingesetzt. Bloss 4000 km3 werden von der Menschheit direkt konsumiert, und nur ein Bruchteil davon als Trinkwasser. Die Bewässerung stellt ein quantitatives Problem dar, Trinkwasser ein qualitatives. Laut UNO litten im Jahre 2000 407 Millionen Menschen an Wasserknappheit, im Jahre 2025 werden es 3 Milliarden sein. Ein europäischer Haushalt verbraucht täglich 150 l Wasser pro Kopf, eine Haushalt in Kenia 2 Liter. Wasserknappheit herrscht vor allem in den westlichen USA, Mexiko, Nordafrika und Asien, speziell auch in Nordchina. Der Klimawandel bereitet vor allem Südafrika, Australien und dem Mittelmeerraum wachsende Probleme. In Europa schlägt ein Kubikmeter Wasser für landwirtschaftliche Bewässerung mit € 0.01 zu Buche, für Trinkwasser sind € 2 zu berappen.70% des Süsswassers wird für die bewässerte Landwirtschaftsproduktion verwendet, welche gegenüber Kulturen mit natürlichem Niederschlag mindestens die doppelte Produktivität aufweist. In Entwicklungsländern sind die Nachbarschaft zu Latrinen sowie technische und administrative Mängel die grössten Herausforderungen. Generell ist dort das Trinkwasser mit höheren Kosten als im Westen verbunden. Prof. Kinzelbach schätzt, dass mit 300 Mrd. $US an weltweiten Investitionen – die Hälfte des jährlichen amerikanischen Verteidigungsbudgets – das Trinkwasserproblem gelöst werden kann. Unterhalt und Nachhaltigkeit sind aber die wahre Herausforderung. Bis 2050 sieht der Referent grosse Herausforderungen: die Weltbevölkerung wird um 3 Mrd. wachsen, der Bedarf an Bewässerung wird um 60 % zunehmen. Typische Probleme im Trinkwasserbereich sind der nicht-nachhaltige Gebrauch von Wasserressourcen, fragile Ökosysteme, ungerechte Zuteilungen, ausufernde Kosten, upstream-downstream Konflikte und ungünstiges Verhältnis zwischen Wasservorräten und Bevölkerung, bespielsweise in Nordchina, Tunesien und Saudi-Arabien. Schwindende Wasservorräte sind verbreitet: Erschöpfung von Grundwasservorräten, ein Viertel der Entnahmen sind nicht erneuerbar, was 40 % der Bewässerungsprojekte betrifft. Flüsse versiegen, mit ausgesprochenem Effekt, Beispiel Aralsee, Nasszonen werden trocken(gelegt): 50% der Flächen sind seit dem Jahre 1900 verschwunden. Bodenversalzung betrifft fast einen Drittel des bewässerten Landes. Gewässer-Verschmutzung braucht Heilungszeit, ist aber mit Investitionen und politischem Willen machbar (Schweizer Seen, Rhein, Themse als Beispiele). Handlungsszenarien stehen zur Verfügung, wie: erhöhte Effizienz in der Bewässerung und in der Regenwasserbewirtschaftung, Umstellung auf weniger wasserintensive Nahrungsmittel, Anpassung von ökonomischen Aktivitäten, Wasserimport/Handel/Transfer, Entsalzung, Umsiedlungen, Geburtenkontrolle, Verantwortung und starke Institutionen, Nachhaltigkeit, technische und sozioökonomische Hindernisse, Preisanpassungen. Prof. Kinzelbach schliesst mit einer schwierigen Wahl als Abschlussfrage: Sumpfgebiet oder hungrige Bevölkerung? Was muss verschwinden?

Wolfgang Kinzelbach

Wolfgang Kinzelbach ist seit 1.Januar 1996 ordentlicher Professor für Hydromechanik der ETH Zürich.

Er ist Deutscher, 1949 in Germersheim geboren, verheiratet und hat drei Kinder. Nach dem Studium der Physik an den Universitäten Mainz und München führte ihn 1972 ein Aufenthalt an der Stanford University in das Gebiet des Environmental Engineering, auf dem er 1978 an der Universität Karlsruhe promovierte. Er war Stipendiat der Studienstiftung des Deutschen Volkes. Seine Berufstätigkeit führte ihn nach Maiduguri, Nigeria, ans Kernforschungszentrum Karlsruhe und ans Umweltforschungsinstitut der Academia Sinica, Peking. Seine Forschungstätigkeit an der Universität Stuttgart von 1981 bis 1987 führte zur Habilitation. 1988 folgte er einem Ruf an die Universität Kassel als ordentlicher Professor für Technische Hydraulik und Hydrologie und 1993 einem Ruf an die Universität Heidelberg als ordentlicher Professor für Umweltphysik.

Sein Forschungsinteresse gilt generell den Strömungs- und Transportvorgängen in der Umwelt mit praktischen Anwendungen in der Wasserwirtschaft, im Gewässerschutz, der Gewässersanierung und der nuklearen Endlagerung. Derzeit liegt der Schwerpunkt seiner Arbeit auf der nachhaltigen Wasserwirtschaft in ariden und semi-ariden Regionen. Er wurde mit dem Ehrensenator-Huber-Preis der Universität Karlsruhe, dem Europäischen Förderpreis der Körberstiftung, dem Hochschulsoftwarepreis des Bundesforschungsministers und der Henry-Darcy Medaille der Europäischen Geophysikalischen Gesellschaft (EGU) ausgezeichnet. Er ist Mitglied der Forschungskommission der ETH und der Leuenberger Kommission zu den NEAT Basistunnels und fungiert als wissenschafllicher Berater von BRGM, GSF und PSI.

Donatoren und Partner

Der ETH-Rat ist verantwortlich für die strategische Führung des ETH-Bereichs und übernimmt die Aufsicht über dessen Institutionen. Die enge Partnerschaft zum ETH-Rat seit dem Jahr 2000 trägt zu einem erfolgreichen Fortbestehen der Stiftung Academia Engelberg bei.

Die Helvetia ist eine qualitätsorientierte Allbranchenversicherung mit über 150 Jahren Erfahrung. Die Stiftung Academia Engelberg ist überzeugt, durch die Partnerschaft ab 2015 wichtige Synergien nutzen zu können.

Das Benediktinerkloster Engelberg prägt die Geschichte des wunderschönen Bergtales seit seiner Gründung im Jahr 1120.

Die heutigen Tätigkeiten der Mönche erwuchsen weitgehend den Bedürfnissen des Ortes. Bildungsarbeit an der Stiftsschule, Seelsorge in der Pfarrei, Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe, Kultur- und Landschaftspflege sind Bereiche, in denen sich die Mönche sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Klosters engagieren.

Die Stiftung fördert die Erforschung der verbindenden humanen Grundlagen der Wissenschaften. Die Stiftung Academia Engelberg und die Stiftung Humanwissenschaftliche Grundlagenforschung haben für die Jahre 2023 bis 2024 eine Zusammenarbeit vereinbart.