Zürich, 16. Oktober 2009



Freitag, 16. Oktober 2009

Autor

Matthias Jenny

Am zweiten und dritten Tag entfernte sich der Fokus von den Naturwissenschaften hin zu einer vorwiegend psychologischen Betrachtung von Gewalt und schliesslich zu einer Diskussion von Massnahmen gegen Gewalt. Andreas Hamburger gab am Donnerstag einen Einblick aus einer psychoanalytischen Perspektive in die Beeinflussung von Kleinkindern durch erwachsene Bezugspersonen. In seiner Replik forderte Darian Heim als Mitglied der viel geschmähten jungen Kohorte einen Wandel von Angst hin zu Vertrauen als Präventivmassnahme gegen Gewalt. Einen leicht anderen Ansatz, der aber trotzdem auf einem psychoanalytischen Hintergrund aufbaute, lieferte Joachim Küchenhoff: Das psychoanalytische „Andere“ müsse vom Individuum in sich selbst und in anderen anerkannt werden, damit Gewalt vorgebeugt werden kann. In seinen Reflektionen beschrieb Micha Gundelfinger Erfahrungen mit Gewalt aus seinem nächsten Umfeld und wie man sich mittels Küchenhoffs Theorie einer Erklärung von solchen Gewaltakten annähern kann.

Harald Welzer nahm eine breitere Sichtweise ein und ging der Frage nach, wie wir erklären können, dass vermeintlich durchschnittliche Personen wie etwa Deutsche im Dritten Reich zu grausamen Mördern werden können. Der Kenyaner Philip Osano stellte sich ähnliche Fragen hinsichtlich der Verbrechen, die in den letzten Jahrzehnten in Afrika verübt wurden. Manfred Cierpka beschrieb sein Präventionsprogram für Schulkinder FAUSTLOS. Einige der Methoden, die darin zur Anwendung kommen, wurden von Sarah Büchel in ihrer Replik jedoch kritisiert.

Die Delegation von YES (Youth Encounter on Sustainability) fordert, dass die Degradierung von Konflikten zu Gewalt durch Prävention zu verhindern sei, und sie kritisierten die Tatsache, dass viele Massnahmen gegen Gewalt erst dann einsetzen, wenn diese Degradierung bereits stattgefunden hat. Schwester Lea Ackermann erzählte von ihren Erfahrungen als Gründerin von SOLWODI (Solidarity with Women in Distress) und die Palästinenserin Nuwar Husseini beschrieb die Rolle der Frau in Jordanien.

Am Freitag sprach Angelo Gnädinger über die Geschichte des IKRK und erzählte von den Versuchen des IKRK, in Krisenregionen den direkten Kontakt mit den Konfliktparteien zu suchen. Der Kolumbianer Fabio Segura gab sich in seinen Reflektionen zuversichtlich, dass Frieden möglich sei, wenn die Wurzeln der Gewalt behandelt würden. Pierre Allan sprach über die Theorien zum gerechten Krieg und legte seine eigene Theorie des gerechten Friedens dar, die unter anderem darauf beruht, dass sich die Friedensparteien gegenseitig als menschliche Wesen anerkennen und gleichzeitig akzeptieren, dass es gewisse Grenzen beim anderen Menschen gibt, die nicht übertreten werden dürfen. Thomas Greminger rundete die Konferenz ab mit seinen Überlegungen zu der Beziehung von bewaffneter Gewalt und wirtschaftlicher Entwicklung und der Rolle der Gewaltprävention für das Wirtschaftswachstum.

Die thematische Dreiteilung der Konferenz – die naturwissenschaftlichen Grundlagen von Gewalt am ersten Tag, die psychologischen Analysen von Gewalt am zweiten und konkrete Massnahmen gegen Gewalt am zweiten und dritten Tag – erlaubte es mir, zuvor gewonnene Erkenntnisse jeweils auf die neue Diskussionsstufe anzuwenden. Nicht zuletzt wegen dieser Aufteilung aber natürlich vorwiegend aufgrund der ausgezeichneten Referate und Reflexionen konnte ich die Konferenz mit grossem Gewinn geniessen.

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